Written by

Autor: Ulle Mann

Eigg, Rum und unzählige kleinere Inseln verstecken sich im flachen Atlantik vor der schottischen Westküste im Morgennebel. Die Sonne kämpft, um durch die Wolkendecke zu dringen. Auch die Männer am Ufer verstecken sich. Auf verschlungenen Pfaden haben sie gestern den Weg hierher gefunden. Es ist ein kühler Morgen im Mai 1941.

Jan und Knut, beide Anfang 30, sind zwei der auserwählten Auszubildenden der englischen Special Operations Executive, kurz SOE. Insgesamt sollen im Westen Schottlands damals mehrere tausend Agenten paramilitärisch für Sabotageaktionen gegen Nazi-Deutschland trainiert haben. Eingesetzt wurden sie vornehmlich in Frankreich, Tschechien, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden, allesamt in von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten. Aufregende Zeiten an der schottischen Westküste und in den westlichen Highlands.

In dem kleinen verschlafenen Ort Arisaig, nicht weit von Mallaig gelegen, erinnern ein Monument und ein kleines Museum an die Helden und die Gefallenen, die aus Tschechien und der Slowakei hierher kamen. Ihr Aufenthalt hier, veränderte das Leben jedes Einzelnen, gab ihnen lebensgefährliche Aufträge im Kampf gegen Nazi-Deutschland, mutige Einzelkämpfer ohne Hoffnung auf Hilfe im Einsatz.

Im Mai 2026 ist Arisaig ein stiller Küstenort. Einige Touristen verlaufen sich hier, aber es ist nicht voll. Campingplätze und Ferienhäuser sind leicht zu bekommen. Das Wetter ist ein Traum und die Küste atemberaubend. Kristallklares Wasser schimmert in Blau- und Grüntönen. Bei diesem Wetter möchte ich hier gar nicht mehr weg.

Auf Paddler wartet hier ein Paradies. Geübte Radler finden anstrengende hügelige Touren auf und abseits der wenigen Straßen. Für wetterfeste Hiker ist Schottland überall ein Traum.

In der westschottischen Stadt Elgin stoßen wir auf UB 40. Na ja, nicht direkt, weil wir keine Karten für das MacMoray Festival haben. Bei dem Rundgang durch die Stadt fällt auf, dass schon am frühen Morgen viele Fans in Verkleidung und mit Bollerwagen auf dem Weg zum Showground sind. Die Kultband der 1980er Jahre scheint hier immer noch große Popularität zu geniessen.

GUT ZU WISSEN

In diesem Frühjahr liegen die Preise für Wohnmobilstellplätze zwischen 30 und 40 englischen Pfund. „Muffel“ (mein Campervan) findet das grenzwertig. Allerdings bieten die Plätze, die ich anfahre, Strom und Duschen ohne Aufpreis. Bei einigen ist auch gut funktionierendes WiFi inbegriffen, wenn man es braucht. Sehr positiv fallen mir die Sauberkeit der Plätze, die riesigen Stellplätze, und die Freundlichkeit der Betreiber auf.

Mit dem Camper oder dem Zelt frei zu stehen ist für Schottland immer eine Empfehlung. Überall finden sich abseits gelegene Verstecke in atemberaubender Natur. Ich weiß, es klingt abgedroschen, doch leider ist dieser Hinweis notwendig: Bitte hinterlasst keinen Müll, wenn ihr weiterzieht!

Wer sich mit dem Wetter arrangiert, wird hier eine unvergessliche Zeit mit lang währenden Erinnerungen erleben.

Fischliebhaber, Whiskytrinker und Liebhaber schottischer Musik kommen hier auf ihre Kosten. Ich bin schon lange begeisterter Fan der leider nicht mehr aktiven Folkrockband „Runrig“, die Rock mit klassischer schottischer Volksmusik verbunden hat.

Viel habe ich über die Myriaden von Midges (kleinen aggressiven Stechmücken) gelesen, die einem den Abend vermiesen können. Ich habe scheinbar Glück gehabt. Das trockene Wetter half mir wohl. So blieb ich vor ihnen verschont. Zecken sind allerdings zahlreich und sollten nicht unterschätzt werden.

Mit Überraschungen, wie vorübergehend stillgelegten Fährverbindungen, muss man immer rechnen. Schotten nehmen es mit Gelassenheit, die ich auch Reisenden empfehle, besonders auf den Straßen. Fernrouten sind rar in Schottland und deshalb nicht nur viel befahren, sondern werden auch von schnellen und (manchmal sehr) langsamen Fahrzeugen gleichermaßen genutzt. Die Straßen schlängeln sich häufig durch bergige Landschaften mit vereinzelten Steilstücken von bis zu mehr als zwanzig Prozent Steigung. In den Highlands führen oft einspurige Straßen ans Ziel. Schnelles Vorwärtskommen ist eher Glückssache. Ich mag mir nicht vorstellen, wie der Verkehr hier während der Ferienzeit in den Sommermonaten läuft. Eine schottische Freundin beschrieb es neulich so: „Wenn ich in meinem Ort im Sommer die Hauptstraße überqueren will, benötige ich viel Geduld. Wohnmobile, Wohnwagen, Autos beladen mit Paddelbooten reihen sich eng aneinander. Manchmal warte ich länger als 25 Minuten.“ Wer es vermeiden kann, sollte vielleicht ins Auge fassen, nicht zur Hauptreisezeit hier unterwegs zu sein.

Ich bin zum ersten Mal in Schottland und begeistert von Land und Leuten. Rundreisen bieten unendliche Möglichkeiten für Aktive, Geschichte lässt sich überall erkunden und Städte bieten kulturelle Veranstaltungen. Deshalb plane ich schon jetzt meine nächste Auszeit nach Alba, dem Land der Schotten.

INFO

Von Mitteleuropa verkehren keine Fähren direkt nach Schottland. Die gängigste Überfahrt führt von Amsterdam nach Hull (Newcastle) in England. Von dort sind es etwa 180 Kilometer bis Edinburgh.

In Schottland zahlt man mittlerweile bevorzugt mit einer Kredit- oder Debitkarte. Bargeld wird zwar oft noch akzeptiert, verschwindet aber mehr und mehr aus dem Zahlungsverkehr.

Ich schreibe bewußt keine Empfehlungen für Campingplätze, Restaurants, etc., weil sie meiner Meinung nach immer nur eine individuelle Momentaufnahme darstellen.

How useful was this post?

Click on a star to rate it!

Average rating 0 / 5. Vote count: 0

No votes so far! Be the first to rate this post.

2 Kommentare

  1. Avatar von Birgit Paefgen
    Birgit Paefgen

    Der Reisebericht hat mir sehr gut gefallen!
    Detaillierte und interessante Informationen, die Lust auf eine Reise nach Schottland machen…schöne Bilder !! Freue mich auf weitere Reiseberichte von Dir!!

    1. Avatar von Uli Schiefelbein

      Vielen Dank für dein Feedback! Ich freue mich, dass dir der Beitrag gefällt.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Ulle Mann

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen